CIO heute und morgen

Nr. 26-1 aktualisiert 2026-01-23 Lesedauer: min

Brückenbauer in die digitale Welt

Die Rolle des CIO hat sich in den letzten Jahrzehnten grundsätzlich gewandelt. Heute prägen digitale Transformation, Datenarchitekturen, Sicherheit und Business-Enabling den Alltag. Gefragt sind Brückenbauer und Dirigenten.

Hohe Erwartungen, viel Verantwortung: CIOs sind mehr denn je gefordert. (Bild: Shutterstock/kittirat roekbur)

Die Rolle des CIO hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren grundlegender verändert als jede andere Funktion im Management. Vom früheren Leiter eines technisch geprägten IT-Betriebs entwickelte sich die Position zum geschäftsorientierten Gestalter digitaler Wertschöpfung. Während früher Systemstabilität, Kostenkontrolle und Infrastrukturmodernisierung im Mittelpunkt standen, sind heute Themen wie digitale Strategien, datengetriebene Innovationen und die aktive Mitgestaltung neuer Geschäftsmodelle entscheidend.

Vom IT-Verwalter zum Business-Enabler

In vielen Organisationen hat der CIO die Rolle des Enablers übernommen: Er oder sie schafft die technologischen Voraussetzungen, damit Fachbereiche schneller agieren, neue Services entwickeln oder Automatisierungen realisieren können. Diese Veränderung zeigt sich auch in der Erwartungshaltung des Managements. Früher wurde eine funktionierende IT als Erfolg gewertet; heute wird erwartet, dass IT-Investitionen direkt zur Wertschöpfung beitragen. CIOs müssen folglich technologische Kompetenz mit strategischer Weitsicht verbinden und die Sprache des Business sprechen. Dazu gehört auch, Prioritäten zu setzen, Risiken zu bewerten und Transformationsprojekte so zu orchestrieren, dass sie messbare Resultate liefern.

Herausforderungen werden komplexer

Die heutigen Aufgaben sind vielseitig und anspruchsvoll. Erstens steigt die Komplexität der IT-Landschaften kontinuierlich – hybride Cloud-Umgebungen, vernetzte Endgeräte, KI-basierte Systeme und regulierte Datenräume müssen stabil und sicher betrieben werden. Zweitens verschärft sich der Druck, Innovationen schneller umzusetzen, ohne die Resilienz zu gefährden. Drittens entwickelt sich das Sicherheitsumfeld rasant; Unternehmen müssen auf Bedrohungen reagieren, die nicht nur technischer Natur sind, sondern zunehmend geopolitische und regulatorische Dimensionen haben. Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der die Planung und Umsetzung zentraler Initiativen erschwert.

Beispiele aus dem Unternehmensalltag

Die Herausforderungen zeigen sich besonders deutlich in scheinbar alltäglichen Projekten. Die Einführung eines Zutritts- oder Zeiterfassungssystems scheint auf den ersten Blick nichts Besonderes. Doch was einfach wirkt, erfordert eine Integration in Identitätsmanagement, Compliance-Vorgaben und physische Sicherheitsinfrastrukturen – ein Projekt mit erheblichen Auswirkungen auf Prozesse und Governance. Ein weiteres Beispiel ist die  Modernisierung von Datenplattformen. Unternehmen möchten datenbasierte Entscheidungen treffen, doch oft sind Informationen verteilt, unstrukturiert oder organisatorisch schwer zugänglich. Der CIO muss Datenqualität sicherstellen, Governance-Modelle etablieren und gleichzeitig den Aufbau KI-fähiger Architekturen ermöglichen. 

Auch das Enabling des Business gehört zum Kernauftrag: Fachbereiche erwarten, dass sie rasch digitale Dienste entwickeln können, etwa durch Automatisierung, Low-Code-Plattformen oder KI-Assistenten. Der CIO muss hierfür nicht nur die Technologie bereitstellen, sondern auch organisatorische Veränderungen anstossen. Schliesslich sind Transformationsprogramme – etwa die Ablösung veralteter Systeme – ein Dauerbrenner. Die Komplexität dieser Vorhaben zeigt sich oft erst im Detail, wenn historische Prozesse neu gestaltet, Abhängigkeiten geklärt und Betriebsmodelle überarbeitet werden müssen.

Rainer Baumann, CIO & COO, Migros-Gruppe
Zum einen werden zahlreiche strategische IT-Projekte parallel umgesetzt, zum anderen muss der stabile, sichere Betrieb des Tagesgeschäfts gewährleistet bleiben.

CIO als Brücke zwischen Technologie, Business und Governance

Die moderne CIO-Rolle ist ein Balanceakt zwischen Innovationsdruck und betrieblicher Verantwortung. CIOs müssen einerseits sicherstellen, dass kritische Systeme stabil laufen, und andererseits Technologien wie KI, Automatisierung oder digitale Plattformen aktiv vorantreiben. Sie müssen regulatorische Anforderungen verstehen, Unternehmensarchitekturen konsolidieren und zugleich Mitarbeitende auf dem Weg der Transformation mitnehmen. Die Fähigkeit, bereichsübergreifend zu führen und Prioritäten transparent zu setzen, ist dabei zentral.

KI-Agenten, automatisierte Geschäftsprozesse, digitale Zwillinge und vernetzte Ökosysteme werden neue Anforderungen an Datenqualität, Governance und Architektur stellen. CIOs werden zunehmend zu Orchestratoren und Dirigenten digitaler Wertschöpfungsnetzwerke, die weit über die Grenzen des Unternehmens hinausreichen. Die CIOs der Zukunft werden zu zentralen Führungskräften in der digitalen Wirtschaft.

Christian Bühlmann

Chefredaktor Computerworld

Christian Bühlmann ist Chefredaktor der Computerworld und engagiert sich in der IT-Branche seit mehr als 30 Jahren als Fachautor, Berater und Projektleiter mit den Herausforderungen von Unternehmen in der digitalen Welt.